Programmtexte

Richard Strauss

1864–1949

Tod und Verklärung, op. 24

Richard Strauss
Entstehung
1888–1889
Erste Aufführung
21. Juni 1890 · Eisenach · Komponist dirigiert
Besetzung / Fassung
Orchester

Strauss war noch in seinen Zwanzigern, als er Tod und Verklärung komponierte. Die letzten Stunden eines Künstlers sind hier eine dramatische Vorstellung, kein autobiografischer Rückblick. Das Orchester macht körperliche Not, Erinnerung, Sehnsucht und Loslösung ohne Worte hörbar.

Die Partitur wurde 1889 vollendet und im Juni 1890 unter Strauss’ Leitung in Eisenach uraufgeführt. Alexander Ritters erläuterndes Gedicht entstand als Antwort auf die fertige Musik. Das Programm beschreibt den Grundgedanken, während die Themen und ihre Beziehungen den zeitlichen Verlauf bestimmen.

Der Beginn ist leise und unruhig. Kurze Gesten und ein schwacher Puls lassen Anspannung erkennen. Ruhigere Melodien wirken dagegen wie Erinnerungen. Die Instrumentierung unterscheidet diese Ebenen.

Im weiteren Verlauf tritt der Kampf in den Vordergrund. Das Orchester gewinnt Kraft, doch wiederkehrende Gedanken geben den Steigerungen ihre Richtung. Auch das Verklärungsthema deutet sich bereits an. Der Schluss erfüllt damit eine Möglichkeit, die zuvor nur kurz greifbar war.

Das abschließende C-Dur erhält seine Strahlkraft aus der vorangegangenen Spannung. Es ist keine losgelöste schöne Episode. Ein zunächst nur erahntes Ideal kann sich nun über längere Zeit ungestört entfalten.

Jahrzehnte später erinnerte Strauss in „Im Abendrot“ aus den Vier letzten Liedern an diese Musik. Die Verbindung zwischen frühem und spätem Werk ist berührend. Sie macht die Tondichtung aber nicht zur Vorhersage seines eigenen Todes.

In Novas Between Worlds stand das Werk zwischen Pärts Cantus und Prokofjews Dritter Symphonie. Drei sehr unterschiedliche zeitliche Verläufe berührten existentielle Fragen: konzentrierte Wiederholung, dramatische Verwandlung und eine von Unruhe bestimmte symphonische Entwicklung.

Programm und musikalische Form

Die Vorstellung eines sterbenden Künstlers gehört zur Konzeption. Ritters Gedicht formulierte sie erst nach der Komposition aus. Themen können daher nach musikalischer Logik wiederkehren, ineinandergreifen und wachsen. Für das Hören genügt der große dramatische Verlauf; nicht jedes Instrumentaldetail muss einer bestimmten Handlung entsprechen.

Aus der Ahnung wird ein Zustand

Das Verklärungsthema gewinnt seine Schlusswirkung durch die früheren, noch unvollständigen Erscheinungen. Entscheidend ist der Unterschied zwischen kurzem Wiedererkennen und längerem ungestörtem Erklingen. Dauer, Lage und harmonischer Halt tragen ebenso zur Aufhellung bei wie Lautstärke. Das spätere Zitat in „Im Abendrot“ eröffnet dazu eine rückblickende Perspektive.

In Novas Geschichte

Ein Abend, der bleibt.

Erste dokumentierte Aufführung mit Nova

Zwischen den Welten

Wiener Konzerthaus · Mozart-Saal

William Garfield Walker · Dirigent

Zur Person

Richard Strauss

Richard Strauss konnte das Orchester kammermusikalisch zurücknehmen oder zu gewaltiger dramatischer Wirkung entfalten. In Tondichtungen, Opern und Liedern werden Klangfarben zu Trägern von Charakter, Erinnerung und wechselnden Empfindungen.

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