
- Entstehung
- 1850
- Erste Aufführung
- 1860 · Oldenburg · Ludwig Ebert, Cello
- Besetzung / Fassung
- Solocello und Orchester
Wenige Orchesterakkorde genügen, dann setzt das Violoncello mit einer gesanglichen Phrase ein. Eine lange Einleitung entfällt. Die Solostimme scheint unmittelbar aus dem Ensemble hervorzutreten. Wie sie eigenständig und zugleich verbunden bleiben kann, prägt das Konzert.
Schumann schrieb das Werk 1850 in Düsseldorf. Die öffentliche Uraufführung fand erst 1860, nach seinem Tod, statt. Die drei Sätze sind miteinander verbunden; Gedanken kehren über ihre Grenzen hinweg wieder. Eine erinnerte Phrase kann den gegenwärtigen Verlauf verändern.
Im ersten Satz stehen Unruhe und Gesang in enger Beziehung. Der warme Celloton liegt nicht einfach über einer neutralen Begleitung. Orchester und Soloinstrument tauschen Richtung und Gewicht. Schon eine neue Harmonie unter derselben Melodie kann ihren Ausdruck von Gewissheit in Zweifel verwandeln. Virtuosität geht häufig in dieser Phrasierung auf.
Im langsamen Mittelsatz tritt ein Violoncello aus dem Orchester in einen Dialog mit dem Soloinstrument. Zwei verwandte Klangfarben antworten einander. Diese kammermusikalische Nähe verlangt eine besonders feine Balance.
Vor dem Finale erinnert die Musik an frühere Gedanken. Der raschere Schlusssatz behält dadurch die Verbindung zum Gesang der vorangegangenen Sätze. Auch die Kadenz bleibt gegen Ende in das orchestrale Geschehen eingebunden.
Die Gestaltung muss spontane Wendungen und den langen Zusammenhang zugleich tragen. Zu viele Unterbrechungen schwächen die Bewegung; zu viel Eile verdeckt die leisen Dialoge. Pieter Wispelwey spielte das Konzert am 23. Mai 2024 mit Nova unter William Garfield Walker im Brahms-Saal des Musikvereins.
Die Bezeichnung Konzertstück
Im Manuskript steht die Bezeichnung „Konzertstück“. Sie passt zur ununterbrochenen Anlage, die über drei getrennte Konzertsätze hinausdenkt. Das Werk entstand 1850 in kurzer Zeit, fand aber erst zehn Jahre später öffentlich auf die Bühne. Schumann erlebte diese Uraufführung nicht.
Eine Kadenz im Zusammenhang
Die Kadenz löst das Soloinstrument nicht vollständig aus dem Orchester. Darin setzt sich die partnerschaftliche Anlage des Werks fort. Ein ähnliches Verhältnis zeigt zuvor das Duett der beiden Violoncelli. Die Hauptstimme liegt mitunter nicht allein im Solopart, sondern entsteht erst im Austausch mit einer Antwort aus dem Ensemble.
Ein Abend, der bleibt.
Erste dokumentierte Aufführung mit Nova
Barber · Schumann · Dvořák
Musikverein Wien · Brahms-Saal
Pieter Wispelwey · Violoncello · William Garfield Walker · Dirigent
Robert Schumann
Robert Schumann brachte literarische Fantasie in musikalische Formen ein. Charaktere, Erinnerungen und wechselnde innere Stimmen werden angedeutet, ohne eine Geschichte wörtlich nachzuerzählen. Als Kritiker der Neuen Zeitschrift für Musik setzte er sich zugleich für andere Komponisten ein.
Werke entdecken