Programmtexte

Erich Wolfgang Korngold

1897–1957

Violinkonzert D-Dur, op. 35

Erich Wolfgang Korngold
Entstehung
1945
Erste Aufführung
15. Februar 1947 · St. Louis Symphony · Jascha Heifetz · Vladimir Golschmann
Besetzung / Fassung
Solovioline und Orchester

Korngolds Violinkonzert beginnt mit einer weit gespannten Melodie des Soloinstruments. Die Violine muss sich nicht durch einen heftigen Auftritt behaupten. Ihr Gesang zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Der anspruchsvolle Solopart verbindet diesen langen Atem mit großer technischer Beweglichkeit.

Das 1945 entstandene Konzert wurde im Februar 1947 von Jascha Heifetz mit dem St. Louis Symphony Orchestra unter Vladimir Golschmann uraufgeführt. Nach Jahren der Filmarbeit wandte sich Korngold wieder verstärkt der Konzertmusik zu. Themen aus seinen Hollywood-Partituren werden hier neu geordnet und entwickelt.

Die Anfangsmelodie stammt aus Another Dawn, weiteres Material aus Juarez. Die Filme zu kennen ist keine Voraussetzung für das Hören. Entscheidend ist, wie die Violine ihre Linie ausdehnt und die Lage wechselt, während das Orchester ein eigenständiges Geschehen entfaltet. Hinter der scheinbaren Mühelosigkeit steht eine genaue Abstimmung mit der Harmonik.

Die Romanze, der Mittelsatz des Konzerts, greift ein Thema aus Anthony Adverse auf. Der Geigenton muss auch in der zarten, leuchtenden Orchesterbegleitung seine Präsenz bewahren. Die Spannung entsteht aus langen Phrasen, deren harmonische Auflösung immer wieder hinausgezögert wird. Indem die Violine ihren Gesang über diese Verzögerungen hinweg trägt, erhält die Melodie eine eigene dramatische Kraft.

Das Finale verwendet Material aus The Prince and the Pauper. Wiederholung und Variation verbinden melodische Erkennbarkeit mit virtuoser Bewegung. Die Artikulation braucht ein klares rhythmisches Profil, damit die schnellen Passagen tanzen und nicht bloß vorbeirauschen.

Die Filmbezüge mindern den kompositorischen Anspruch nicht. Korngold brachte seine Wiener Theatererfahrung nach Hollywood und verwandelte später Filmmelodien für die eigenständige Form eines Konzerts. Gerade diese Veränderungen sind musikalisch aufschlussreich.

Kristīne Balanas spielte das Werk mit Nova und William Garfield Walker beim UNICEF-Benefizkonzert am 12. Juni 2025 im Goldenen Saal des Musikvereins. Elgars „Nimrod“ und Brahms’ Erste Symphonie umrahmten es.

Vier Filme als Ausgangspunkt

Another Dawn und Juarez liefern Themen des ersten Satzes, Anthony Adverse das Material der Romanze, The Prince and the Pauper jenes des Finales. Das Konzert verändert die Ausdehnung und die Beziehungen dieser Gedanken. Die Violine erhält Möglichkeiten zur Entwicklung, die an keine bestimmte Filmszene mehr gebunden sind.

Gesang und Virtuosität

Die Widmung an Alma Mahler verbindet das Werk mit Korngolds Wiener Umfeld. Heifetz’ Uraufführung von 1947 begründete seine Aufführungsgeschichte. Der Gegensatz zwischen den weiten Intervallen des Beginns und der federnden Artikulation des Finales verlangt mehr als den Wechsel von langsamen zu schnellen Noten: Das Soloinstrument verändert seine Ausdrucksweise und bewahrt dabei die melodische Richtung.

In Novas Geschichte

Ein Abend, der bleibt.

Erste dokumentierte Aufführung mit Nova

Brahms & Korngold

Musikverein Wien · Großer Saal

Kristīne Balanas · Violine · William Garfield Walker · Dirigent

Zur Person

Erich Wolfgang Korngold

Erich Wolfgang Korngold verband die Orchesterkunst des spätromantischen Wien mit unmittelbarer dramatischer Wirkung. Wenige Takte können einen Charakter festlegen; wechselnde Harmonien verändern ihn weiter. Konzert, Oper und Film gehören in seinem Schaffen eng zusammen.

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