Programmtexte

Antonín Dvořák

1841–1904

Symphonie Nr. 9 e-Moll, op. 95 „Aus der Neuen Welt“

Antonín Dvořák
Entstehung
1893
Erste Aufführung
16. Dezember 1893 · Carnegie Hall · New York Philharmonic · Anton Seidl
Besetzung / Fassung
Orchester

„Aus der Neuen Welt“ klingt wie eine Nachricht aus der Ferne. Dvořák schrieb seine Neunte 1893 in New York, wo er das National Conservatory leitete. Seine symphonische Erfahrung traf auf neue Eindrücke, darunter afroamerikanische Spirituals und die Debatte über eine eigenständige amerikanische Musik. Die Symphonie verarbeitet diese Begegnungen, ohne ein musikalischer Reisebericht zu sein.

Anton Seidl dirigierte die New York Philharmonic bei der Uraufführung am 16. Dezember 1893 in der Carnegie Hall. Manche Melodien wurden so bekannt, dass sie wie überliefertes Liedgut wirken. Tatsächlich erhielt etwa die Englischhornmelodie des Largo erst später den Text von „Goin’ Home“. Die Symphonie zitiert dieses Lied nicht.

Aus einer langsamen Einleitung entwickelt sich das kraftvolle Allegro. Der aufwärtsdrängende Horngedanke bleibt ein wichtiges Erkennungszeichen. Andere Themen setzen ihm Weite und eine ruhigere Bewegung entgegen. Das Orchester wechselt rasch zwischen voller Kraft und einzelnen, persönlich wirkenden Stimmen.

Das Largo beginnt mit feierlichen Akkorden, bevor das Englischhorn einsetzt. Die Wirkung seiner schlichten Melodie hängt eng mit der Harmonik und den Abständen der Phrasen zusammen. Im Mittelteil wächst die Unruhe. Wenn die vertraute Melodie zurückkehrt, ist sie durch diese Erfahrung verändert.

Das Scherzo bringt beharrliche Rhythmen und kontrastierende Tänze. Dvořák verändert den Charakter, ohne die Richtung des Satzes zu verlieren. Frühere Gedanken bleiben im Gedächtnis und wirken über die Satzgrenzen hinweg.

Im Finale treten diese Verbindungen offen hervor. Neben dem machtvollen Hauptthema erscheinen Erinnerungen an die vorangegangenen Sätze. So fasst der Schluss das gesamte Werk zusammen. Im letzten Akkord halten die Bläser ihren Klang noch, während die Streicher bereits verklingen.

Nova spielte die Neunte am 21. Juli 2025 im Goldenen Saal. Auf dem Programm standen außerdem Mozarts Konzert für drei Klaviere, die Uraufführung von Theodor Karl Lievens Symphonie und Elgars „Nimrod“. Ein seit seiner Entstehung viel gespieltes Werk begegnete damit einer Partitur, die lange auf ihre erste Aufführung gewartet hatte.

Harry T. Burleigh

Am National Conservatory hörte Dvořák Spirituals, gesungen von Harry T. Burleigh, der später als Komponist und Arrangeur bedeutend wurde. Diese konkrete Begegnung ist ein wichtiger Teil seiner amerikanischen Erfahrungen. Die Symphonie verwendet dennoch neu komponierte Themen und ist keine Zusammenstellung übernommener Lieder.

Longfellow und Goin’ Home

Dvořák verband die Mittelsätze mit Vorstellungen aus Longfellows The Song of Hiawatha. Daraus folgt jedoch keine durchgehende Handlung, der man beim Hören folgen müsste. William Arms Fisher unterlegte die Largo-Melodie erst Jahrzehnte später mit dem Text von „Goin’ Home“. Das Lied zeigt, wie eine komponierte Melodie nachträglich den Charakter einer vertrauten Überlieferung annehmen kann.

In Novas Geschichte

Ein Abend, der bleibt.

Erste dokumentierte Aufführung mit Nova

Drei Klaviere. Neue Welt.

Musikverein Wien · Großer Saal

William Garfield Walker · Dirigent · Andreas Staier · Klavier · Alon Goldstein · Klavier · Theo Lieven · Klavier

Zur Person

Antonín Dvořák

Antonín Dvořák verband unmittelbaren melodischen Einfall mit sorgfältig gebauten symphonischen und kammermusikalischen Formen. Tanzrhythmen, Gesang und rasche Stimmungswechsel verweisen auf seine böhmische Herkunft, ohne die Musik darauf zu begrenzen. Seine Laufbahn führte ihn von örtlichen Ensembles nach Prag, London und New York.

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