Programmtexte

Claude Debussy

1862–1918

Prélude à l’après-midi d’un faune

Claude Debussy
Entstehung
1892–1894
Erste Aufführung
22. Dezember 1894 · Paris · Gustave Doret
Besetzung / Fassung
Orchester mit Soloflöte, Harfen und antiken Becken

Eine Flöte beginnt allein. Ihre melodische Kurve prägt sich sofort ein, ihre harmonische Richtung bleibt offen. Die Melodie scheint ihre Umgebung erst im Spielen zu finden. Klangfarbe, Atem und Harmonik formen von Anfang an den Verlauf.

Debussy antwortet mit dem Prélude auf Stéphane Mallarmés Gedicht L’après-midi d’un faune. Die Uraufführung fand im Dezember 1894 in Paris unter Gustave Doret statt; Georges Barrère spielte das Flötensolo. Die Musik folgt keiner Handlung Schritt für Schritt. Sie greift vielmehr das Schweben zwischen Erinnerung, Wunsch und Vorstellung auf.

Der Flötengedanke kehrt mehrfach wieder. Seine Umgebung verändert jeweils den Ausdruck: Vertraute Konturen können durch andere Harmonien und Instrumente Halt gewinnen oder wieder unbestimmt erscheinen. Die Klangfarbe ist damit Teil der Form.

Im Mittelteil treten die Streicher mit größerer gesanglicher Fülle hervor. Harfen und fein aufgeteilte Instrumentalstimmen lassen die Grenzen zwischen Melodie und Begleitung durchlässig werden. Was eben noch Hintergrund war, kann plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Gegen Ende lässt die Spannung nach. Frühere Gedanken kehren zurück und tragen die Erinnerung an die klangliche Entfaltung in sich. Die Musik zieht sich ohne große Schlussgeste zurück. Der helle Klang der antiken Becken fügt dem Nachhall eine feine Farbe hinzu.

Die scheinbare Freiheit verlangt genaue Proportionen. Zu starre Bewegung nimmt den Phrasen ihren Atem; ein haltloses Schweben verliert ihre Richtung. Bei Novas BRUCKNER NOW! stand das Prélude zwischen Verdis Ouvertüre und Bruckners Vierter: ein konzentrierter Wechsel der Perspektive auf den Orchesterklang.

Das Ballett folgte später

Debussy schrieb das Prélude zunächst als eigenständiges Konzertwerk zu Mallarmés Gedicht. Nijinskys Ballett mit Entwürfen von Léon Bakst entstand erst 1912. Die Musik ging der Choreografie also voraus. Ihre schwebenden Gesten und wechselnden Linien boten später den Ausgangspunkt für eine eigene tänzerische Deutung.

Eine bewegliche Klangpalette

Debussy verzichtet auf Trompeten und Posaunen. Holzbläser, Hörner, Harfen, Streicher und antike Becken bestimmen den Klang. Die erste Flötenphrase umspannt ein harmonisch spannungsreiches Intervall, bevor sie vorübergehend Halt findet. Bei ihrer Wiederkehr bleibt die Kontur erkennbar, während die veränderte Begleitung neue Nuancen erschließt.

In Novas Geschichte

Ein Abend, der bleibt.

Erste dokumentierte Aufführung mit Nova

BRUCKNER NOW!

Wiener Konzerthaus · Großer Saal

William Garfield Walker · Dirigent

Zur Person

Claude Debussy

Claude Debussy eröffnete neue Möglichkeiten musikalischer Bewegung. Eine Klangfarbe, ein Akkord oder eine flüchtige rhythmische Beziehung kann bei ihm den Verlauf bestimmen, ohne auf einen herkömmlichen Höhepunkt zuzusteuern. Hinter der sinnlichen Wirkung steht eine präzise Gestaltung.

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