
- Entstehung
- 1942
- Erste Aufführung
- 12. März 1943 · Cincinnati Symphony Orchestra · Eugene Goossens
- Besetzung / Fassung
- Blechbläser und Schlagzeug
Eine Fanfare kündigt häufig eine herausgehobene Persönlichkeit an. Copland richtet ihre feierliche Geste auf die gewöhnlichen Menschen. Die im Zweiten Weltkrieg für Eugene Goossens und das Cincinnati Symphony Orchestra entstandene Fanfare for the Common Man gewinnt ihre Würde aus Ruhe und Weite.
Blechbläser stehen Pauken, großer Trommel und Tam-Tam gegenüber. Streicher und Holzbläser fehlen. Die ersten Schlagzeugschläge eröffnen einen Resonanzraum; ihr Nachklang gehört zur Musik. Noch bevor die Trompeten beginnen, werden die Abstände zwischen den Einsätzen wesentlich.
Die Hauptmelodie besteht aus weiten Intervallen und klaren Konturen. Weitere Blechbläser verstärken sie, ohne den Klangfluss lückenlos zu verdichten. Lage, Abstand der Stimmen und der Wechsel zwischen Linie und Akkord bestimmen den Aufbau.
Hier lohnt es sich, auf den Nachklang zu achten. Lautstärke allein erzeugt noch keinen vollen Ton. Präzise gemeinsame Einsätze und bewusst bemessene Pausen geben der Harmonie Zeit, sich zu entfalten.
Copland nahm die Fanfare später in das Finale seiner Dritten Symphonie auf. Dort wird sie Teil einer längeren Entwicklung. Als eigenständiges Stück besitzt sie eine andere, in sich geschlossene Konzentration.
Nova eröffnete damit im Mai 2022 ein Programm, das vor Sibelius’ Zweiter Symphonie unterschiedliche amerikanische Stimmen zusammenführte. Neben Still und Higdon zeigte Copland eine eigene Verbindung von klanglicher Direktheit und Feierlichkeit.
Ein Titel mit politischem Hintergrund
Der Titel steht im Zusammenhang mit einer Rede des US-Vizepräsidenten Henry A. Wallace von 1942 über das Jahrhundert des gewöhnlichen Menschen. Goossens hatte Fanfaren für die Kriegszeit in Auftrag gegeben. Coplands Werk wurde am 12. März 1943 in Cincinnati uraufgeführt. Die Korrespondenz über den Termin nahe der Steuerfrist fügt der feierlichen Musik einen unerwartet alltäglichen Hintergrund hinzu.
Die Bedeutung der Pausen
Blechbläser und Schlagzeug klingen unterschiedlich nach. Die Pausen lassen diese Resonanzen hörbar werden und bereiten den nächsten Einsatz vor. So kann Copland die Wirkung steigern, ohne immer mehr Töne hinzuzufügen. Die Kraft der Fanfare beruht ebenso auf Geduld und Zurückhaltung wie auf dem Gewicht des Klangs.
Ein Abend, der bleibt.
Erste dokumentierte Aufführung mit Nova
Sibelius und amerikanische Stimmen
Musikverein Wien · Brahms-Saal
William Garfield Walker · Dirigent
Aaron Copland
Aaron Copland prägte einen weithin als amerikanisch empfundenen Orchesterklang. Weite Intervalle und klare Stimmen sind dabei bewusst gewählte kompositorische Mittel. Neben seinen zugänglichen Ballett- und Orchesterwerken stehen dichte, dissonante Partituren, die das Bild eines ausschließlich pastoralen Komponisten erweitern.
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